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Ein Muss: Risikomanagement
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Gründen, wachsen, sichern: Angebote für den ganzen Lebenszyklus

Bernd Radtke*

Die knapp 3,4 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland erzeugen 47 Prozent der Bruttowertschöpfung, beschäftigen 71 Prozent der Mitarbeiter und bilden 87 Prozent der Auszubildenden aus. Während Großunternehmen und öffentliche Hand in den letzten Jahren 100.000 Stellen abgebaut haben, hat der Mittelstand viermal so viele Jobs bereitgestellt. Junge, innovative und investierende Betriebe schaffen dabei die meisten Arbeitsplätze. Was liegt also näher, als die kleinen und mittleren Unternehmen in der Region bei Finanzierungs- und Wachstumsfragen, aber auch in Krisen- oder Nachfolgefällen mit verschiedensten Modellen zu unterstützen?

Der DIHK hat das Motto "Chance Unternehmen - gründen, wachsen, sichern" als Jahresthema 2007 gewählt. Das kommt genau zur richtigen Zeit. Durch die anspringende Konjunktur und die allerorten steigenden Unternehmensgewinne steht die Wirtschaft verstärkt im Blickpunkt der Öffentlichkeit, insbesondere dann, wenn diese Entwicklung nicht einhergeht mit dem Abbau der Arbeitslosenzahlen (was sich ja nun aber endlich zu ändern scheint). Die Gefahr, dass Unternehmertum nicht als Chance gesehen wird, sondern im Gegenteil die negativen Klischees aus den Schubladen geholt, Unternehmer holzschnittartig mit bestimmten Konzernvorständen gleichgesetzt und als Abkassierer bezeichnet werden, ist durchaus gegeben. Dem gilt es entgegenzusteuern, sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit als auch in der unmittelbaren Unterstützung der Unternehmen, insbesondere des Mittelstands. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen.
In Deutschland gibt es rund 3,5 Mio. Unternehmen, 97 Prozent davon sind dem kleinen und mittleren Mittelstand (mit einer Mitarbeiterzahl von bis zu 250 bzw. einem Umsatz von bis zu 50 Mio. Euro) zuzurechnen. Diese so genannten KMUs (kleinere und mittlere Unternehmen) bzw. SMEs (auf neudeutsch: small and medium-sized entities), erzeugen 47 Prozent der Bruttowertschöpfung aller Unternehmen, beschäftigen 71 Prozent aller Mitarbeiter und bilden 87 Prozent aller Auszubildenden aus. Der Mittelstand kann mit Fug und Recht als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichnet werden. Und er ist auch ihr Jobmotor. Laut KfW-Mittelstandspanel stellten die KMUs im Zeitraum von 2003 bis 2005 insgesamt 400.000 zusätzliche Mitarbeiter ein, wohingegen die Großunternehmen und die öffentliche Hand über 100.000 Jobs abgebaut haben.
Noch ein paar Aussagen aus dem KfW-Mittelstandspanel: Besonders viele neue Jobs schaffen junge, innovative, kontinuierlich forschende Unternehmen. Ihre Belegschaft wächst - sofern sie investieren - jährlich um 11,1 Prozent. Insgesamt erhöhen Unternehmen, die investieren, ihre Mitarbeiteranzahl pro Jahr im Schnitt um 1,7 Prozent. Im Gegensatz dazu reduzieren Unternehmen, die nicht investieren, ihre Belegschaft um durchschnittlich 3,4 Prozent.
Die Förderung von Unternehmensgründungen und Unternehmenswachstum ist also nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für die Gesellschaft und das soziale System der Bundesrepublik von essenzieller Bedeutung. Besonders notwendig ist die Förderung des Mittelstands, der sich nicht allein durch die dargestellten Größen beschreiben lässt, sondern auch dadurch, dass er in aller Regel inhabergeführt ist. Mittelstandsförderung heißt auch Stärkung des Unternehmertums.
Diese Förderung muss sich auf den vollständigen Lebenszyklus des Unternehmens erstrecken. Ein stetiges Wachstum ist dabei unwahrscheinlich, irgendwann kommt fast jeder Betrieb in eine schwierige Situation oder gar Krisenphase, die völlig unterschiedliche Ursachen haben kann. Und irgendwann muss sich jedes inhabergeführte Unternehmen vergegenwärtigen, dass die Übergabe an einen Nachfolger unausweichlich ist. Dieser gesamte Unternehmenslebenszyklus ist der Ausgangspunkt für die Tätigkeiten im IHK-Geschäftsfeld "Starthilfe / Unternehmensförderung".

Gründung
Die IHK Ulm hat Ende 2001 ein spezielles StarterCenter eingerichtet, in dem schnell und kompetent potenzielle Existenzgründer und -gründerinnen beraten werden. Zwei bis drei IHK-Experten geben jährlich rund 6.000 kurze Erstberatungen, in der Regel am Telefon oder per E-Mail. Darüber hinaus erhalten ungefähr 700 Gründungsinteressierte vertiefende Beratungsleistungen, seien es einstündige Einzelberatungen oder Infos im Rahmen der monatlich stattfindenden vierstündigen Gruppenberatungen. Das StarterCenter hat sich als erste Adresse für Existenzgründer in der Region etabliert, mit deutlichem Abstand vor anderen Beratungsstellen. Auch bei der IHK Bodensee-Oberschwaben spielt Existenzgründung mit gut 500 persönlichen Beratungen in der ganzen IHK-Region eine wichtige Rolle. Dazu kommen Existenzgründerseminare und Workshops, die ebenfalls in unterschiedlichen Städten angeboten werden und an denen jedes Jahr mehr als tausen Interessierte teilnehmen.

Wachstum
"Eine zukunftsorientierte Wirtschaft ist auf Wachstum angewiesen. Gute Geschäftsideen müssen tatkräftig unterstützt werden." Das sagt Christian Brand, Vorstandschef der L-Bank. Zu Recht, denn Unternehmen haben nicht nur bei der Gründung, sondern oftmals auch in ihrer Wachstumsphase ein Finanzierungsproblem. Die Investitionen aus dem Cashflow zu zahlen ist oft nicht bzw. noch nicht möglich, für einen Kredit in der benötigten Höhe sind in vielen Fällen die Sicherheiten nicht da bzw. ist die Eigenkapitalquote zu gering. Deshalb bieten die IHKs monatliche Sprechtage mit der L-Bank, der Bürgschaftsbank und der KfW-Mittelstandsbank an, führen Veranstaltungen wie das MittelstandsForum Finanzierung oder die Reihe "Unternehmensfinanzierung - Banken der Region für den Mittelstand" durch und informieren ihre Mitgliedsunternehmen generell über Fragen, die die Finanzierung betreffen.

Krise
Krisen können vielfältige Ursachen und Ausprägungen haben. Das Projektangebot "Runder Tisch" der KfW-Mittelstandsbank richtet sich an Unternehmen, die sich in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden oder die einer grundsätzlichen Überprüfung ihrer strategischen Ausrichtung bedürfen. Ausgewähl-te Berater identifizieren mittels eines Unternehmens-Checks individuelle Schwachstellen und erstellen dann eine Betriebsanalyse, auf deren Basis Aussagen über die Sanierungsfähigkeit des Unternehmens getroffen werden können. In einem weiteren Schritt arbeiten die Berater - bei positiver Bewertung der Fortführungschancen - Maßnahmenpläne für die Überwindung der Schwierigkeiten aus.
Für solche Projekte fungiert die IHK Ulm in der Region als erste Anlaufstelle für den Unternehmer und organisiert nach Empfehlung der Berater die Zusammenkunft aller Beteiligten an einen "Runden Tisch". Die Erstberatung mit maximal zehn Tagwerken à acht Stunden ist im Rahmen des Projektes "Runder Tisch" für den Unternehmer kostenfrei. Für die nachhaltige gemeinsame Umsetzung der Maßnahmen bietet die IHK Coaching-Programme an, die mit 50 Prozent des Beraterhonorars (maximal 350,00 Euro) aus Geldern des europäischen Sozialfonds (ESF) bezuschusst werden. Die Anzahl der Projekte des rundes Tischs ist nicht fallend, sondern steigend, trotz zurückgehender Insolvenzen. Die mittelständischen Unternehmen sind oftmals durch die schwierigen letzten Jahre "ausgedörrt", zum Start im derzeitigen konjunkturellen Aufschwung fehlt es teilweise an Liquidität und Betriebsmitteln. Die IHK Ulm hat 2004 24, 2005 36 und 2006 44 Projekte betreut. Erfreulich ist dabei, dass die Erfolgsquote von 45 Prozent im Jahr 2004 auf 74 Prozent in 2006 verbessert werden konnte.

Nachfolge
Das Moderatorenkonzept "Unternehmensnachfolge" ist ein Bestandteil des 12-Punkte-Programms des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg und wird ebenfalls aus Mitteln des ESF gefördert. Zielsetzung ist, den Fortbestand des Unternehmens und damit die Arbeitsplätze zu sichern und jungen Managern die Chance für den Einstieg in die Selbstständigkeit zu geben. In Baden-Württemberg wird in den nächsten fünf Jahren mit 11.000 Unternehmensnachfolgen pro Jahr gerechnet, 600 bis 800 davon beziehen sich auf die IHK-Region Bodensee-Oberschwaben, 400 bis 500 stehen in der IHK-Region Ulm jährlich an. Die Gestaltung der Unternehmensnachfolge ist eine komplexe Aufgabe, bei der viele Detailfragen geklärt werden müssen: Wann ist der richtige Zeitpunkt? Wie kann eine familieninterne Lösung aussehen? Welche steuerrechtlichen Aspekte müssen berücksichtigt werden? Welches Anforderungsprofil stelle ich an meinen Nachfolger? Der Abgleich des Unternehmerprofils mit dem Nachfolgerprofil nennt sich "Matching" und ist ein entscheidender Baustein für den Erfolg.
Unterstützt wird die Suche durch die Unternehmensbörse www.nexxt-change.org auf der einen und durch ein Nachfragerportal auf der anderen Seite. Bei der IHK Ulm betreut ein ehemaliger Mittelständler das Moderatorenkonzept. Er konnte in den letzten drei Jahren 58 Unternehmensnachfolgen abschließen, weitere 55 Projekte sind zur Zeit in Betreuung. Die IHK Bodensee-Oberschwaben vermittelt im Jahr rund 120 bis 150 Interessenten den Kontakt zu 60 bis 80 Unternehmen, die zur Übernahme anstehen. Damit schließt sich der Kreis: kleine und mittlere Unternehmen können bei den IHKs für alle Phasen ihres Lebenszyklus situationsgerechte Unterstützung  bekommen.

* Bernd Radtke ist Geschäftsbereichsleiter  Starthilfe / Unternehmensförderung, Recht / Fair Play und International bei der IHK Ulm



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